Umweltsch(m)utz geht alle an

Man muss aber auch nicht die „gut und günstig“ Gurken in eine Plastikfolie packen, nur weil sie 20 Cent günstiger sind und sie ja eine natürliche Schale besitzen…. richtig unnötig und gerade zu diesem Thema passend…

… Lese ich die Reaktion einer Kundin von Edeka auf deren Post.

„Die im „Ganzkörper-Kondom“ sind aber definitiv länger knackig und frisch. Ich habe echt mal einen Vergleich gemacht. Neulich gab’s bei einem Edeka-Kind sowohl Gurken mit als auch ohne Hülle. Jetzt nach sechs Tagen habe ich beide aufgeschnitten. Die ohne Schutz ist runzelig und leicht ausgetrocknet und die mit noch prall, knackig und schmeckt genau wie die Gurke, die ich heute frisch vom Edeka mitgenommen habe“,

… schreibe ich ihr darauf, um sie davon überzeugen zu wollen, das dieses Verhalten nicht dazu da ist, um den Verbraucher zu ärgern, sondern um der Lebensmittel-Verschwendung entgegen zu wirken.

Daraufhin postet kurz später diese Lili das Foto mit dem Meer. Da ich ja viel lese und sehr gern mein Wissen in verschiedenen Foren weitergebe, fällt mir dieser Text von neulich ein, als es um genau das gleiche Thema ging – zuviel Verpackung um Lebensmittel, egal ob nun aus biologischer Herkunft oder konventionell. Du kannst dich aber auch durch alle Seiten der deutschen Discounter und Supermärkte klicken, jeden Tag begegnen dir große Verärgerung und Schuldzuweisungen der extremen Umweltfanatiker…

Mal eine andere Frage Lili, wie und warum kommt deiner Meinung nach dieser ganze Unrat ins Meer? Schuld allein ist der Mensch! Logo, aber nicht weil es so- oder zuviel Plastik gibt, sondern weil Menschen achtlos ihren Müll fallen lassen, wo sie gerade stehen und gehen. Sicher hast du auch schon mal ein Papier von einem Bonbon oder einem Kaugummi achtlos auf der Strasse fallen lassen oder es ist dir durch den Wind „entrissen“ worden! Hochgerechnet auf die gesamte Bevölkerung, angenommen die Hälfte von ihnen, macht das auch hin und wieder, wenn nicht sogar mehrmals pro Monat, entsteht schon ein gewisser Grad der Umwelt-Verschmutzung.

Jenes Papier also liegt auf der Strasse. Mal angenommen, morgen regnet es. Mit dem Regenwasser fließt es in den Gulli. Von dort in den Bach, in den Fluss und weiter zum Meer und schließlich dort hinein. Mit allen anderen Bonbon-Papieren geschieht das Selbe. Dazu kommt noch der Unrat, der bei den Kreuzfahrtschiffen und von den Piraten über Bord geworfen wird und der der Gestrandeten… Und schon bin ich bei deinem Bild gelandet, weil letztendlich die Meeresströmungen den Rest tun. Stell dir jetzt mal vor, das ganze Plastik wäre Glas…

Also – Umweltschutz fängt bei jedem Einzelnen an! Also bei dir und mir, Herrn Meier und Frau Schmidt sowie Familie Hempel! Und Unternehmen tun schon das, was sie tun müssen, denn es gibt schon in Deutschland ein sehr gut funktionierendes Recycling-System. Nicht nur auf dem Papier und in den Gesetzesblättern, sondern in Echt in der Realität.

Vielleicht fragt sich jetzt der ein oder andere, wie ich so etwas behaupten kann, zudem ich den Foren auch noch das Verhalten der Händler unterstütze. Auch dafür kassiere ich derbe Kritik und werde gefragt, ob ich für dieses Verhalten bezahlt werde. Wer weiß das schon? Ich äußere mich nicht dazu und behalte die Wahrheit für mich. Besser ist es. Ich muss ja nicht jeden darüber aufklären, das es momentan meine „Aufgabe“ ist, mal den Konsumenten einen Einblick darüber zu gewähren, was bei den Händlern hinter den sonst verschlossenen Türen passiert und da ich nicht nur meine Erfahrungen im Einzelhandel sammeln konnte, sondern auch noch vier Jahre in den Alltag eines Zentrallagers Einblick nehmen konnte, weiß ich bestens über die Vorgänge und Einzelheiten Bescheid. Ich habe nicht irgendwo im Büro gesessen, sondern täglich mit an der harten Arbeitsfront gekämpft und einige Zeit war ich sogar im Folien- und Papier-Einsammel-Dienst tätig. Der Begriff gefällt mir, denn er hört sich sehr gut an, besser als ich war nur für die Müllabfuhr zuständig. Ja, ich durfte die Verpackungen von den gesamten Warenpaletten einsammeln und dann zum Leergut bringen, also der Abteilung, die dafür zuständig ist, daß alle Materialien sortiert und klein geschreddert werden und dann einzeln von den Firmen zur Wiederverwertung abgeholt werden, um daraus wieder viele neue Produkte herzustellen. Sei es nun das Recycling-WC-Papier oder Kopierpapier oder diese schicken Textilien, von denen ich eine kleine Unzahl im Schrank zu liegen habe. Oder Tragetaschen und ganz neu sind jetzt beim Netto Marken-Discount im Sortiment Körbe und Eimer aus recyceltem Kunststoff. Ups, dafür gibt es wieder einen Fachbegriff, der mir grad nicht einfällt. Egal, einzig und allein wichtig und sehr gut daran ist der ökologische Hintergrund!

Im Netto-Online-Shop habe ich zum Artikel folgendes gefunden:

Priva Einkaufskorb ecoLine, blau

EcoLine-Einkaufskorb ca. 18l mit 2 klappbaren Henkeln, stabil, mit hoher Tragkraft, hergestellt aus 100% Premium-Recycling-Kunststoff – ein Beitrag zum Schutz der Umwelt.

Und weil ich ja auch noch neben dem Schreiben meiner Blogartikel sehr gern nach glaubhaften Daten über verschiedene Themen suche, die nicht nur unsere KundenInnen bewegen, sondern ich selbst auch noch daran interessiert bin, fand ich folgenden Online-Artikel:

Die Gurke ist in Plastik eingeschweißt – zu Recht

Viele umweltbewusste Verbraucher stören sich zudem an sogenannten Mehrfachverpackungen. Oft sind einzelne Kekse, Bonbons oder Kaffeekapseln in eigene Verpackungen gehüllt, nur um dann in einer zweiten, größeren Verpackung zu landen. In einer Kaffee-Kapsel etwa sind nur sechs Gramm Kaffeepulver, umhüllt sind diese allerdings von etwa drei Gramm Plastik oder Aluminium und bei einigen Marken sogar von einer zusätzlichen Plastikfolie – erst dann wandern sie in den Pappkarton.

Dass das nicht umweltfreundlich sein kann, ist auch den meisten Unternehmen klar, doch sie haben sich längst ihre Argumente zurechtgelegt. Die Kaffeekapsel-Hersteller etwa führen an, dass das Aroma nur dank dieser doppelten Verpackung aus Aluminium und Kunststoff garantiert werden könne – und die Kunden würden Einbußen beim Aroma nicht hinnehmen. Süßwaren-Unternehmen wie Haribo, die kleine Gummibärchentüten in einer großen Gummibärchentüte verkaufen, argumentieren, der Kunde könne sich die Süßigkeiten dank der Portionierung nun einmal gut einteilen.

Auch das Start-up MyMuesli beruft sich auf das Argument, der Kunde „wolle es so“. Es verkauft neben seinen 575-Gramm-Dosen auch kleine 85-Gramm-„Portionsbecher“. Die Papp-Dosen haben nicht nur ein schwer recycelbares Sichtfenster aus Kunststoff, sondern zusätzlich noch einen Aludeckel. Der erschwert die Mülltrennung erheblich. Der Grund für die Markteinführung der kleinen Packung: Der Kunde wolle schließlich auch unterwegs Müsli essen. Aber selbst, wenn das Start-up mit diesem Produkt dem vermeintlichen Wunsch der Kunden nachkommen sollte – gleichzeitig wälzt es die Verantwortung auf diese ab.

Die Folie verdoppelt die Haltbarkeit der Salatgurke

Das liebste Feindbild der Verpackungsgegner ist jedoch die mit Plastik ummantelte Salatgurke, das nach der Tomate (die eigentlich in die Kategorie Fruchtgemüse gehört) und der Karotte drittliebste Gemüse der Deutschen, wie die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung jährlich erhebt.

Im ersten Moment erscheint es durchaus skurril: Ein Lebensmittel, das durch seine Außenhaut eine natürliche Verpackung mitbringt, wird in Folie geschweißt. Im Fall der Salatgurke ist das jedoch sinnvoll: Sie schützt das Produkt vor dem frühzeitigen Verderben. Gerade Gurken und Brokkoli, die zum Zeitpunkt der Ernte noch eine aktive Zellatmung besitzen, würden ohne eine angemessene Verpackung extrem schnell viel Wasser verlieren. Die Gurke wird außerdem eingeschweißt, weil nur unter einer entsprechenden Folie genau die richtige Atmosphäre erzeugt wird, welche die Gurke länger frisch hält. Ihre Haltbarkeit wird durch die Verpackung in etwa verdoppelt.

Nun argumentieren viele Verbraucher nicht zu Unrecht, dass diese Art von Gemüse, die von Natur aus schnell schrumpelt, einfach frühzeitig verzehrt werden muss. Da die Gurken, die in Supermärkten und Discountern in den Regalen liegen, zumeist aus südeuropäischen Ländern importiert werden, könnten diese jedoch bereits zum Zeitpunkt der Auslage zu schrumpeln beginnen. Und nur wenige Verbraucher sind bereit, Obst und Gemüse mit Makeln zu kaufen, wenn sie die Wahl haben.

Würden die Unternehmen also auf eine Plastikverpackung verzichten und die Gurke ließe sich nicht verkaufen, wäre deren Umweltbilanz noch schlechter als die einer eingepackten Gurke, die verzehrt wird. Denn nicht nur Verpackungen haben einen ökologischen Fußabdruck: Auch die Produktion der Lebensmittel kostet Wasser und Energie, und die wäre beim Verderben umsonst verbraucht worden.

Kaum nachvollziehbar ist hingegen das kursierende Argument einiger Einzelhändler, nur die Bio-Salatgurke werde in Plastik gehüllt. Zwar muss Bio-Gemüse laut EU-Recht von konventionellem Gemüse zu unterscheiden sein, das ginge jedoch auch ohne Plastik. Bio-Sticker beispielsweise könnten genauso gut auf dem Produkt selbst angebracht werden. Und die Rewe Group testet derzeit Bio-Etiketten, die per Laser in die äußerste Schicht von Avocados oder Süßkartoffeln gebrannt werden. Hinzu kommt, dass Bio-Lebensmittel-Käufer tendenziell eher dafür sensibilisiert sind, auf unnötigen Verpackungsmüll zu verzichten. Ihnen bleibt dann nur der Gang in den Bio-Markt: Dort sind die Gurken zwar nicht in Plastik gehüllt – sie müssen aber auch deutlich eher verzehrt werden.

Also, liebe Konsumenten, alles hat einen Grund, auch wenn dieser nicht bei allen Menschen als gut empfunden wird. Die Händler arbeiten stets daran ihren ökologischen Fußabdruck weiter verbessern, denn ab Januar 2019 tritt das neue Verpackungsgesetz in Kraft, so daß sicher der in den letzten 20 Jahren zu 164 Prozent gestiegene Plastik-Wahnsinn der Verpackungen wieder spürbar sinken dürfte. Es werden derzeit natürliche alternative Materialien getestet, wie zum Beispiel das Obst in Bambusschalen zu verpacken und das „Natural Branding“, das direkte Beschriften der Waren, besonders Obst und Gemüse sowie Backwaren mittels Laser wird mittlerweile von den meisten Händlern verwendet: Die Laserbeschriftung ist dabei absolut unbedenklich und hat keinerlei Auswirkungen auf die Qualität des Lebensmittels. Die Bio-Marke Nature & More hat durch den Umstieg von Etiketten auf Laserkennzeichnung einen großen Beitrag für die Umwelt geleistet und auch der Verbraucher profitiert.

Außer eben selbst für die Biogurke ist diese Methode ungeeignet:

Der Handel hat immer wieder versucht, gerade die Bio-Gurke anders zu kennzeichnen. Mit Banderolen oder Aufklebern beispielsweise. Aber gerade die Aufkleber riefen die Verbraucherschützer auf den Plan, weil so ein Aufkleber eben auch wieder Klebstoff an die Schale bringen kann, die mancher Kunde – gerade beim Bio-Gemüse dann mitverzehrt. Aufkleber sind außerdem oft farbig bedruckt. Dann ist zum Beispiel wieder die Frage: Kann von diesen Etiketten etwas auf die einzelnen Produkte übetragen werden?

Kann es gelingen, die Schale zu kennzeichnen, ohne dass die Frucht dabei beschädigt wird oder sich hinterher Schimmel bildet. Bei Gurken haben Kennzeichnungen, direkt auf der Gurkenschale, bislang zu Beeinträchtigungen des Produkts geführt. Auch mit Banderolen hat der Handel bislang keine positiven Erfahrungen gemacht, da sie „den handelsüblichen Umgang mit der Ware durchlaufen (z.B. Einpacken in Transportkisten, Transportwege, Kommissionierung, Entnahme der Transportkisten, Auslage im Supermarktbereich, Kundenkontakt)“ und dabei leider schnell beschädigt werden. Auf dem Weg von der Plantage oder vom Feld in den Einkaufswagen. Insofern müssen Alternativen zur Plastikhülle sehr robust und widerstandsfähig gegen jede Art von Einflüssen (Feuchtigkeit, Abrieb etc.) sein und dürfen dabei die Ware selbst nicht verderben.

Also blieb die Plastikverpackung die praktikabelste und somit auch die gängigste Verpackung bei Obst und Gemüse. Was im Fall der Bio-Gurke auch daran liegt, dass sie oft in großen Haufen gelagert wird und dabei nicht verschmutzen soll. Außerdem behalten sie, mit einer Plastikfolie ummantelt, länger ihre grüne und für das Verbraucherauge frische Farbe.

An dieser Stelle ist sicher noch immer der ein oder andere nicht überzeugt, daß Dinge passieren, nicht um den Verbraucher zu ärgern, sondern ihn immer ein gutes Einkaufserlebis zu bieten. Also macht einfach diese Folie ab, nachdem ihr sie bezahlt habt und seid euch dann sicher, daß sie definitiv ihren Weg zum Recycling findet. Dafür sorgen viele fleißige Hände hinter den sonst für den Kunden verschlossenen Türen, außer jemand schreibt mal dazu.

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