Verkehr/t

Nun. Kopierte ich mir doch erst neulich diesen Post über Cybersex und stellte ihn auf meiner anderen Seite online. Sie finden ihn unter: „?“. Ach was kucken Sie einfach mal selber, denn schließlich habe ich inzwischen schon mehr Artikel gepostet, als ich vermute. Es macht mir Spaß, einige Dinge aus meinem Leben auszuplaudern, obwohl ich eher bisher mehr als verschwiegen war und strikt darauf achtete, ja nicht zuviel privates an die Öffentlichkeit zu bringen. Und dieses Prinzip war mir hoch und heilig, so daß ich auch auf Arbeit genau drauf achtete, wem ich was erzählte. Diese Art und Weise kann allerdings ganz schön nervig und anstrengend sein, denn oft versuchen dich auch Leute über Dinge auszuhorchen, die du ihnen auf gar keinen Fall erzählen willst. Da immer galant die Kurve zu bekommen, ist gar nicht so einfach, aber ich denke, das ich diese Hürde mit Bravour gemeistert habe. Diese Thematik ist mir besonders stark aufgefallen, als ich bei den netten Damen in der Küche arbeitete. Ich möchte mal behaupten, diese Sache war glatt deren liebste Beschäftigung. Hinter deinem Rücken tratschten sie, wie ihnen der Schnabel gewachsen war und zu dir waren sie falsch und freundlich. Sehr gern verbreiteten sie auch Lügengeschichten. Du teiltest ihnen was mit, aber da sie ja nie das aktive Zuhören gelernt hatten, kam dir letztendlich irgendwann wieder etwas nach dem Prinzip „Stille Post“ zu Ohren, die Hälfte stimmte, ein Viertel war dazugedichtet und der letzte Rest verdreht. Es war einfach nur verflixt. Eine Weile interessiert dich dieser Mist nicht, bis dann doch mal das Maß voll ist. Irgendwann wurde ich von beiden aufs äußerste schikaniert. Als Konsequenz sprach ich mehrere Tage kein einziges Wort mit ihnen. Immer wieder forderten sie mich raus, aber ich blieb still.

„Rede endlich mit uns!“ bekam ich am Tag mehrmals zu hören.

Nach vier Tagen antwortete ich : „Wenn ich reden will, dann nur mit meinem Anwalt oder mit meinem Psychiater.“

Daraufhin beschwerten sie sich beim Chef, der mich wiederum darauf ansprach. Ich erzählte ihm die Wahrheit und ergänzte, daß die zwei dann gefälligst aufhören sollten, solchen Mist zu verbreiten. Und wieder schaute ich in ein verduztes Gesicht und hörte ein Stammeln. Damit war die Sache für alle erledigt, bis zu einer ihrer nächsten Karpaden, bei denen ich sie selbst zurechtwies.

Aber dieses Hintenrum wird noch gefördert, wenn sich Grüppchen bilden: Kollege A ist mit Kollege B verbündet und zusammen ziehen sie über Kollege C und D her, ohne natürlich noch den Rest der Welt bzw. der übrigen Belegschaft zu vergessen. Küsschen hier und Küsschen da und das am besten fünf mal während einer Schicht von sechs Stunden. Du fragst dich so oft, was sie damit bezwecken wollen. Allerdings sind sie auch zu dir kuschelbedürftig, so daß sie dich stets zum „Hallo“ und „Tschüß“ abdrücken möchten, obwohl sie sich kurz vorher noch über dich lustig gemacht haben, weil du in ihren Augen ja schlichtweg einfach nur ein kleiner, primitive, doofer Vollpfosten bist. Das haben sie natürlich nicht persönlich zu dir gesagt, aber aufgrund ihrer steten geheimen Tuscheleien und einem gut funktionierenden Buschfunk in der Firma bist du bestens informiert. Du spürst ihre Einstellung dir gegenüber ohne das nur ein einziges Wort ihre Lippen mit Absicht verlassen hat, außer du hast sie mit deiner frischen Wesensart mal wieder so auf die Palme gebracht, das sie dich unter einem Vorwand in den Nebenraum ziehen und dich dort mit übelsten Schimpfwörtern zur Schnnneeeecke machen. Aber du als „Trottel“ bist ja zum Glück einen Tick schlauer als sie und lässt sie labern und labern. Dich juckt es fast überhaupt nicht, denn wozu hat der Mensch links ein Ohr und rechts eins? Genau, so kannst du sie in solchen blöden Situationen auf Durchzug stellen. Zwischendurch gibt’s du ihnen zur Bestätigung noch contra und spürst wie sie innerlich immer mehr brodeln. Heiß, heißer, Küche! Und dabei waren es nur Banalitäten. Also wurde aus der kleinen Mücke ein Riesenelefant gemacht. Zumindestens hätten sie es so gern gesehen. An den genauen Wortlaut kann ich mich jetzt jedoch nicht erinnern, aber sollte er mir wieder einfallen, schreib ich ihn doch einfach mal nachträglich hier rein. Im Groben ging es nur darum, daß ich ihnen wohl zu langsam arbeitete und daher in ihren Augen viel zu spät nach Hause ging. Jeder hat nun mal sein eigenes Tempo. Das diese Damen allerdings vor dem Umziehen abends noch eine rauchten oder gemütlich ihr Abendessen in der Kantine zu sich nahmen, ist wohl nebensächlich, oder? Sprach man sie darauf an, stritten sie es natürlich ab. Komisch, wenn mehrere Augen das Selbe sehen, kann ich davon ausgehen, daß es stimmt. Und einmal wurde ich selbst Zeugin dieses Spiels, bei dem ich aber brav mitmachte, ohne mir etwas anmerken zu lassen.

Achja, wie sagte Chr. zu mir: „ich solle aus dem Arsch kommen.“ Solche Worte schmettert dir eine studierte Ehefrau und Mutter ins Gesicht, die vom ersten Eindruck zwar nur eine Hexe zu sein scheint, aber beim zweiten bestätigt sich der Verdacht. Nun manchmal ist die Welt wirklich sehr klein und durch eine Freundin wurde die Vermutung etwas später bestätigt. Zu Hause bei ihr geht man wohl sehr respektlos miteinander um, keiner schätzt den anderen wert, jeder beschimpft jeden und das mit Ausdrücken, die ich hier lieber nicht niederschreibe. Ganz interessant fand ich allerdings im Gegenteil dazu, ihre so liebevoll geführten Telefonate mit ihrem Mann. Regelmäßig morgens klingelte ihr Handy, mit dem sie sich dann sehr gern in eine andere Ecke der Küche verzog. Das Ganze hatte zwei Vorteile: zum einen konnte sie sich mindestens zehn Minuten vor der Arbeit drücken und zum anderen kannst du deiner Umwelt zeigen, was du für eine tolle Ehefrau bist und wie verliebt du immer noch nach 25 Ehejahren bist. Solch guter Schauspieler kann nicht jeder sein, dafür brauchst du schon eine Portion Talent. Jeder der nicht die Wahrheit kennt, glaubt dir sicher solch Auftreten und alle anderen haben während dessen sehr viel Freude. Kurz vor Ende des Gesprächs kam sie mit ihrem Mann am anderen Ende der Strippe zurück, so dass wir immer ihre letzten Sätze hören konnten:

„Ach Schatz. Ja, ich liebe dich auch. Ich freue mich schon jetzt, wenn ich wieder bei dir zu Hause bin…“

Was dann wirklich zum Feierabend bei denen abgeht, will ich nicht in echt wissen. Aber, weil ich ja denken kann, ja, sowas können doofe Vollpfosten, weiß ich es trotzdem, denn sehr oft verraten jene Leute mehr von sich, als ihnen lieb ist. Sie teilen sich ihren zweitliebsten Kollegen mit und du hörst ein Stück daneben mit einem halben Ohr alles mit, dann noch eins und eins addiert und du kennst deren geheimste Geheimnisse. Nun, so in wirklich hat es mich nicht die Bohne interessiert, aber hätte ich nicht hingehört, wäre diese Seite heute leer geblieben. Wie heißt es doch so schön? Stille Wasser sind sehr tief und mitunter mächtig dreckig. Oja, das trifft genau den Nagel. Aber noch mistiger geht es bei dieser Frau gar nicht. Und dabei soll sie so perfekt sein, zumindestens in den Augen gewisser Personen, die leider nun gar kein kleinbisschen Empathie haben. Schade, denn in ihrer Position bräuchten sie ganz viel davon, denn ich als „Trottel“ habe mega viel davon und arbeite sehr gern mit diesem Vorteil, aber etwas abgeben davon mag ich nun auch wieder nicht. Ich nutze lieber meine Kapazitäten! Volle Kraft voraus und der Ballast, der mich stört, den werfe ich eines Tages ab, denn in mein Boot kommt nur die Elite der Welt! Also lernt schwimmen oder ihr ertrinkt jämmerlich, aber einen letzten Trost spreche ich euch noch vor eurem letzten Atemzug aus, denn ich bin doch noch viel netter als ihr bisher dachtet. Und ausserdem bin ich nicht vorlaut, sondern nur direkt und ehrlich. Unsere Umwelt hat uns einen Namen gegeben. Ich bin eine HSP.

Danke Papa, das du mir diese zusätzliche Wesensart als einziges Kind deiner Familie in die Wiege gelegt hast!

Anderen Menschen bist du damit klar im Vorteil, auch wenn du dich anders als der Rest benimmst, vielleicht schüchtern wirkst, lieber allein bist, Ideen hast, für die dich andere bewundern oder hassen, dich als Außenseiter miemst, zwanzig Berufe ausüben könntest, ohne jemals eine Ausbildung darin gehabt zu haben, und und. Und ganz wichtig, du tust Dinge, bei denen sich der feige Rest der Welt in die Hose schnullert, denn du bist wagemutig, offen und ausdauernd. Kein Sturm kann dich umpusten und solltest du wirklich mal am Boden liegen, dann findest du immer einen Weg ganz schnell wieder aufzustehen. Also du beweist denjenigen, die dich fallen sehen wollen, daß du fliegen kannst!

Also, fliegen will ich schon noch ganz oft in meinem Leben, nicht nur mit dem Flugzeug in wärmere Regionen, sondern ich will unbedingt mal mit dem Fallschirm springen und ich hab auch keine Bedenken, das er nicht aufgeht. Bei Engeln passieren selten Missgeschicke und trotzdem bin ich auch ein Teufel, aber nur hinter meiner Schale. Gut versteckt, deshalb habe ich ja auch schon viele crazy und verrückte Sachen bisher erlebt und gemacht. Dinge, die definitiv nichts für Langweiler sind. Mitunter sehr abrünnig. Sie waren es einfach wert, sie mal erleben zu dürfen. Es waren auch schmutzige Dinge dabei, bei denen andere Menschen lieber nicht dabei sein wollen. Alles ist und bleibt eine Sache der Einstellung. Du bist offen und neugierig, dann klappt auch alles und vieles brauchst du ja auch ganz genau bis ins hinterste Detail all deinen Mitmenschen zu offenbaren, vielleicht einigen, aber dann nur ganz wenigen, in die du Vertrauen hast.

… Außer du bist mal wieder hier im Internet unterwegs. Da begegnen dir die absurdesten Sachen. Du willst nur mal eine Runde online würfeln und schon kurz nach Beginn flackert das Chatsymbol. Über ein nettes Hallo und viel Erfolg habe ich ja nichts auszusetzen, aber wenn dann die Frage kommt:

Woher bist du?, ahnst du schon den Zweck der Unterhaltung. Kurz überlegt, wie die nächst größere Stadt heißt. Ach ja. Aus… Wie heißt du eigentlich? Klara. Schöner Name. Haha. Wie heiß ich wohl? Moment Pause. Endlich kann ich würfeln. Irgendwie bringt mich dieser Olli2218 durcheinander. Nein, er macht mich nicht heiß, sondern nur wahnsinnig unkonzentriert. Mist, wieder hab ich nichts passendes, also schon wieder eine Null eintragen. Silke? Woher er das nur weiß!? Ich bin ratlos. Wie alt bist du? Bist du Single? Was machst du grad? Dir antworten? Ich schreibe ihm kurz mein aktuelles Elend. Bist du verheiratet? Magst du Sex bzw. hast du zur Zeit regelmäßig welchen? Wann war der letzte? Ich kann mich gar nicht mehr dran erinnern. Bestürztes Schweigen, wohl zu viel des Guten für einen 25jährigen. Ich komm einfach nicht zum nächsten Zug. Verflixt! Soll ich die Fragerei einfach ignorieren?! Ich entscheide mich für das Nein. Du kannst mich auch mal was fragen! In echt? Woher kommst du? Aus Goslar. Ich weiß, wo das liegt, zum Glück so ziemlich am anderen Ende des Universums. Nicht das der Typ sich gleich noch auf den Weg zu mir macht. Immerhin ist es nachts bzw. morgens halb drei. Er soll doch bestimmt Mama erstmal um die Erlaubnis fragen. Welche Stellung ist deine liebste? Nun, was schreib ich ihm jetzt? Die Wahrheit? Lieber nicht. Ach ja: hart und lang. Jo, ist meiner immer, bekomm ich zur Antwort. Ich dachte, ich schreibe deutsch?! Hast du Spielzeug? Ja, ich spiele gerne und oft. Was und womit, verrate ich natürlich nicht, worauf ich die Aufforderung bekomme ein Bild zu schicken. Ich hab grad keins. Dann mach eins! Wie bitte schön Olli, wenn es eine Etage höher auf mich wartet und ich mit dir hier in der Küche rumhänge? Jetzt wird’s aber gleich interessant. Hast du wenigstens eins von dir? Auch nicht, ausserdem, wie soll ich das hier senden? Denn schließlich wollten wir ja nur eine Onlinepartie zusammen spielen. Ich schreib ihm, das ich weder meine drei Telefonnummern kenne und die anderen Handys an der Steckdose hängen. Gibt’s du mir deine Nummer, dann können wir es per WhatsApp austauschen. Wie, wenn ich sie nicht auswendig weiß und ausserdem ahne, wie solche Sachen enden können, denn ich bin im Gegensatz zu dir schon ein großes Mädchen. Vor vielen Jahren ließ ich mich schon mal auf solch ein Spiel ein und versendete wirklich ein Bild von mir in Reizwäsche. Mein Freund bekam es mit und ich mächtig Ärger. Er schien wohl eifersüchtig zu sein. Wohin und an wen ich es damals sendete, weiß ich nicht mehr, aber es war eine Flirtplattform. Kurz darauf meldete ich mich dort wieder ab und durchwühlte voller Bange viele Wochen immer wieder das Internet, in der Sorge, irgendwo mein Bild zu finden. Aber es blieb zum Glück verschollen. Werbeanrufe bekam ich auch nicht, also war noch mal alles gut gegangen. Ich frag also zuerst nach seiner. Stille! Was hast du grad an? Oh mann, was will der denn noch so wissen? Nun, meine komplette Unterwäsche ist grad in der Wäsche. Du bist nackt? Ja, mir ist grad seeehr warm. Wenn der wüsste, daß mir kalt ist und ich die Heizung grad auf drei gestellt habe. Machst du ein Foto? Wie denn, wenn ich dir grad hier schreibe? Warum bist du jetzt online? Ich teil ihm ein paar wahre Tatsachen mit. Achso. Ihn interessiert es wohl sehr wenig. Egal, denn eigentlich wollte ich ja auch nur eine Runde Kniffel spielen und mich nicht auf diese Art und Weise unterhalten. Und was sinnvolles muss ich auch noch erledigen, bis ich schlafen gehe. Die Nacht scheint wieder sehr kurz zu werden. Ich muss dann wohl wieder schneller schlafen. Gibst du mir nun deine Nummer? Liest der eigentlich meine Antworten oder warum reden wir aneinander vorbei? Such sie bei Google raus! Ey, jetzt fühle ich mich aber verarscht. Ist das dein Ernst? Ich teil ihm auch noch die Suchbegriffe mit, so daß er mich nicht verfehlen kann. Ich weiß, daß ich da mit einigen Informationen drin stehe. Bist du bei Facebook? Wie heißt du da? Genauso wie hier: Silke Es. Das glaub ich nicht. Ist aber so. Er stellt mir noch ein paar sehr abrünnige Fragen, die ich aber nicht beantworten will. Ich brauch mich nicht vor solch einem Küken bloßstellen. Ihm schreib ich, daß er noch viel zu jung für mich sei und zu unerfahren. Ich merke, seine Ungeduld zwischen den Zeilen. Gib mir deine Nummer! Wer sucht, der findet. Er schreibt mir, daß er nicht suchen will. Tja, SCHNUCKI, dann kann ich dir auch nicht helfen. Ich mach den vorletzten Zug – wieder verbockt. Meine Konzentration und meine Flirtlust schwinden. Ich biete an, ihm zuerst zu schreiben. Aber nicht jetzt, sondern im Laufe des Tages. Er lehnt ab und hat es mit einem Mal sehr eilig. Ein fixes Bye und schon ist er weg.

Jetzt ist es später Nachmittag und denk gar nicht dran, Bilder zu versenden oder ihm zu schreiben, denn auf solch junges Gemüse stehe ich nun auch wieder nicht. Und außerdem bin ich doch offiziell noch mit jemandem zusammen. So ein bisschen. Irgendwo muss ich ja wohnen, weil es grad Winter ist und weil ich momentan nicht die Lust habe, schon jetzt ein entspannteres Leben zu führen. Stattdessen nutze ich die Gelegenheit noch einige Zeit an einigen Themen zu forschen, mit denen ich dann weitere Artikel verfassen kann. Ich betreibe eine kostenlose Studie meiner Umwelt und meiner Mitmenschen. Na, ein wenig anders ist schon der Sachverhalt. Wer meinen Blog aufmerksam gelesen hat, weiß das ich viel über meine letzte Arbeitsstelle schreibe. Seit November bin ich arbeitslos gemeldet, obwohl ich quasi online beschäftigt bin, aber offiziell irgendwo dazwischen hänge. Von dem Fall abgesehen, dass mich stets das Arbeitsamt nervt, weil ich noch immer nicht meinen ALG-Antrag fertig stellen konnte, weil dieser eine Krankenschein fehlt, der mir meinen Arbeitsplatz gekostet hat. Das ist schon verflixt, aber auf der anderen Seite muss sich endlich mal jemand trauen, diese Missstände ein für allemal in dieser Firma zu beenden. Also ist es schon ganz in Ordnung, daß da was schief gelaufen ist und ich mich zwar in einer komischen Situation befinde, aber ich weiß ja schon jetzt, daß alles ein gutes Ende nehmen wird. Zwar dauert dieser Prozess noch, aber ich bin bereit ihn bestmöglich abzuschließen.

Und gestern am Valentinstag hat der Anfang vom Ende begonnen. Ich hatte den ersten Termin zur strittigen Verhandlung auf dem Arbeitsgericht. Davon abzusehen, daß mich das Navi wieder wo anders hinschicken wollte, ich aber im Vorfeld schon geschaut habe, wo sich der Parkplatz befindet, stoppte man meine Euphorie schon am Eingang, als ich durch diesen Detektor gehen musste. Ich fühlte mich wie auf dem Flughafen zur Taschenkontrolle. Der Securitymann erwähnte etwas von drei Reisezielen. Ich schaute verwirrt und meinte, mir das noch mal auf der Zunge zergehen zu lassen. Piep, piep, piep und er sagte, ich stehe schon kurz vor meinem ersten Freiflug nach Burg. Aber hallo! Wie immer war ich knapp dran, wobei mir gleich der Satz mit dem „das Beste kommt zum Schluß“ einfällt. Schnell noch mal auf den Topf und dann hechtete ich die Treppe hoch. Zum Glück ist in den Behörden immer der Weg aufgemalt, so dass du gar nicht erst lesen können brauchst. Ganz am anderen Ende des Komplexes hatte ich mein Ziel erreicht, ein leises Klopfen an die Tür und dann nichts wie rein. Nach einem leisen verlegenen „Guten Morgen“, sprach ich eine Entschuldigung für die Verspätung aus. Ganz außer Puste nahm ich auf dem Klägerstuhl Platz und schaute neugierig in die Runde. Außer der Richterin saßen zwei Damen da und die Anwältin von der Gegenpartei war in echt ein Mann. Seltsam. Bekam ich doch in den letzten Monaten immer wieder Post, in denen stand, daß nur diese Frau Doktor mit meinem Fall vertraut sei. In jedem wies sie die Klage ab, aber vergaß sie handschriftlich zu unterzeichnen. Stattdessen stempelte sie nur ein „gezeichnet“ drunter.

Frau Doktor, wie Sie anhand Ihres Studiums wissen, ist eine Urkunde erst eine Urkunde und rechtsverbindlich, wenn sie unterschrieben ist! Also können Sie mir noch fünf dieser Entwürfe schicken, die einfach nur nichtig sind!

Während dessen sprach die Vorsitzende die wichtigsten Daten in ihr Diktiergerät. Nun, vor einigen Jahren war es noch üblich von einer Schreibkraft alles in Stenographie zu protokollieren. Zeiten scheinen sich zu ändern.

Dann war ich an der Reihe. Ich wurde nach dem Sachverhalt gefragt, warum ich gegen die Kündigung klage. Ich begann munter zu reden, welche Umstände und Sachverhalte dazu geführt haben. Bei einigen Sachen ging ich sehr weit ins Detail. Meine Blicke schweiften umher. Auch meinen „Fan“ auf der Zuschauerbank beachtete ich. Mir hätte es gefallen, wäre er ebenfalls ein Mitarbeiter von Netto gewesen. Nach dem Termin fragte ich ihn und er verneinte. Daraufhin konnte ich mir einen spitzen Kommentar nicht verkneifen. Ich bin jetzt so fair, ihn hier nicht zu wiederholen.

Die Damen betrachteten mich recht neugierig und der Nettoanwalt in seiner Robe erinnerte mich eher daran, daß ja heute Aschermittwoch ist. Er erweckte den Anschein in mir, eher Batman auf einem Ball zu sein. Wenn ich es mal mit Bauchgefühl ausdrücken darf, der ist und war garantiert kein Anwalt, zudem er nur einige Male grinste, weil ich ihn ins Gespräch verwickelte. Sonst kam kein Satz von ihm, außer zum Schluss das Wort: Antrag abgewiesen. Ich warte jetzt auf den schriftlichen Bescheid und lege dann Berufung ein. Als nächstes geht’s dann nach Halle zum Landesarbeitsgericht, außer meine Krankenkasse schickt mich vorher noch zum Sozialgericht, weil ich seit November ja keine Versicherung bezahle und in Deutschland ist sie ja Pflicht. Zu der Richterin sagte ich, das ich dann dort mal richtig dreckige Wäsche waschen werde. Ein breites Grinsen war die Antwort. Jetzt kann ich mich nur überraschen lassen, wie man sich entscheidet. Mein Anwalt hat zwar im Vorfeld sein Mandat niedergelegt, aber ich habe in den letzten Monaten mir noch mehr Wissen im Arbeitsrecht angeeignet. Und ich habe es im gestrigen Prozess angewendet. Man warf mir zwar ein Wort entgegen, mit dem ich nichts anfangen konnte, es aber sofort hinterfragte. Arbeitsrecht ist nichts neues für mich, denn schon während meiner Berufsausbildung war ich in der Rechtsabteilung eingesetzt und dort tagte einmal im Monat das Schöffengericht, um sich den Weg nach Dessau zu sparen. Denn oft ist es besser interne Konflikte auch intern zu regeln. Aber dafür muss das Betriebsklima stimmen und das das auch eines Tages im kompletten Unternehmen funktioniert, dafür fühle ich mich verantwortlich. Oh je, denkt jetzt der eine oder andere Leser von Ihnen, der sicher irgendwann mal meine Zeilen hier liest. Seid nicht besorgt, denn ich fühle mich erst rundum wohl, wenn es alle anderen sind. Da gibt es dieses eine Wort: Nächstenliebe! Ich gebe zu, das ich diese schon Ewigkeiten habe und sie mich mehr als öfter ein Kopfschütteln meiner Mitmenschen entgegen nehmen half. Diese Eigenschaft haben einzig und allein nur wir HSP’ler. Ganz selten kostet es auch mal ganz viel Kraft gegen den Strom zu schwimmen, aber das soll wohl so sein. Denn alles im Leben geschieht so wie es geschehen soll. Es gibt keine Zufälle, aber ganz viel Freude auf die Überraschung, was wohl als nächstes passiert.

Deswegen mach ich mal gern solche schmutzigen Unterhaltungen mit. Es macht mir Freude, der anderen Person ebenfalls Freude zu bereiten. Niemals würde ich mich in echt mit einer Online-Bekanntschaft treffen. Denn Liebe muss sich meiner Meinung nach persönlich entwickeln, dann wenn ich in reell einen Mann kennenlerne. Sicher gibt es viele Leute, die sich auch so verlieben, aber ich gehöre definitiv nicht dazu.

Während meiner Schulzeit flirtete ich immer mit meinen Brieffreunden. Ich hatte eine Menge davon und auch männliche. Wir schrieben oft und viel und nach einigen Jahren machten zwei dann auch den Versuch mich mal zu treffen. Beide sagte ich unter einem Vorwand ab, obwohl mir beide vorher ein Bild von sich schickten.

Ich wollte damals wirklich nur Briefverkehr und keinen Echten!

Derzeit versuchen aber viele Singles auf diesem Weg ihrem Liebesglück auf die Sprünge zu helfen. Das weiß ich aus verschiedenen Foren. Ab und an gebe ich mal einen guten Tipp…

Und ich wünsche euch viel Erfolg bei eurer Suche!

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