Du kleines Würmchen

Irgendwie steckt diese Welt voller Geheimnisse. Viele Dinge, die du nicht so einfach begreifen kannst oder die dich zum nachdenken anregen. Zu dem dir dazu entgegengesetzte und widersprüchliche Darstellungen begegnen. Manchmal denkst du auch, dass das so sein soll, denn diese Spielart scheint erst mal das Leben so bunt und vielfältig zu machen, aber auch so entsteht das Chaos, dieses Durcheinander, dem nur wenige Herr werden. Nicht wenige von uns wissen auch nicht, was sie nun wirklich glauben können oder sollen – die Unentschlossenen. Jene, die nicht entscheiden wollen, wo sie nun in echt stehen. Die keinem wehtun wollen, Rücksicht auf die anderen nehmen, sich selten aus der letzten Reihe melden, jeglichen Ärger und Streit meiden, einfach nicht auffallen wollen, die Stillen, die Leisen, die Emsigen, die Unaufhaltbaren, die Könner und die Willigen, denen das Wort Motivation mehr als ein Wort ist. Die leere Worte und Lügen schnell entlarven. Denen man nicht so schnell einen „Bären“ aufbinden kann. Denen Dinge auffallen, für die andere Wochen brauchen würden. Die Detektive und Agenten – besser als jeder Forensiker! So viele Fälle, wie die schon ohne Hilfe aufgedeckt haben, würden glatt mehrere Serien vom Tatort füllen. Statt geschriebener Drehbücher wenigstens mal was echtes und reales und das als Solobesetzung, aber das wollen sie gar nicht, denn ihr Leben erfreut und erfüllt sie so, wie es ist. Einfach und unauffällig. Ohne Promp und Luxus. Bescheiden, aber zufrieden und zum Glück gibt’s nur sehr wenige von ihnen. Denn wie langweilig wäre die Welt, wenn wieder alle so wären? Also muss es quasi den Gegensatz zu ihnen geben: die „Bösen“. Obwohl auch dieser Begriff sehr weiträumig zu deuten ist. Böse bedeutet ja nicht unbedingt schlecht, sondern vielleicht nur vorlaut, frech, dreist, mutig, keck, anders… Interessant an dieser Sache finde ich, daß sogar ein oder mehrere Wechsel zwischen den Fronten im Leben eines jeden Menschen dieser Welt möglich ist und auch tatsächlich passiert. Nicht umsonst heißt es, daß sich jeder Mensch nach sieben Jahren verändert, wobei auch hier ein Plus und Minus gilt. Für diese Erkenntnis habe ich keine Studien in Auftrag gegeben, sondern es ist meine eigene Erfahrung, welche unbezahlbar ist.

Noch besser ist es, wenn du stets eine Mischung aus beidem bist, wobei der positive Aspekt in der Mehrzahl auftritt. Zu jenen Menschen gehöre ich. Ich glaube es nicht nur, sondern ich weiß es felsenfest. In meiner Jugend schätzte man mich als ruhig und schüchtern ein. Jemand, der nur ein leises, unauffälliges und graues Dasein lebt. Wie oft fand ich diese nervigen Worte in meinem Zeugnis, die dich als solche Person outen. Aber was ist schon dieses Stück Papier, jetzt nach über dreißig Jahren fragt dich eh niemand mehr danach oder es ist auch besser so, denn was sagen schon Beurteilungen darüber aus, wie und wer du wirklich bist! Zudem du dich in der Schule eh nur von deiner besten Seite gezeigt hast. Mein Leben damals erforderte das. Schauten die Lehrer mal nicht so genau hin, tat ich natürlich auch mal gern genau das Gegenteil. Als letzter Punkt ist mir da unsere Abschlussfahrt in der 10. Klasse in Erinnerung geblieben. Wir fuhren damals nach Werder in ein Hotel. An den Namen erinnere ich mich leider nicht mehr, aber es lag an einem See und war ein riesengroßer Komplex mit Restaurant und Disko. Ob es das immer noch gibt, ich weiß es nicht. Schön war es trotzdem dort. Wir unternahmen an diesen Tagen viel, obwohl ich meine Lehrerin eher immer anders erlebt hatte. Sicher hatte auch sie noch eine andere Seite, denn bisher hatte ich eher das Gefühl einschlafen zu müssen, wenn sie nur den Mund zum Reden aufmachte. So viel und lustig sich mitteilen konnte sie sich wohl auch nicht. Ob sie ein paar Tropfen zum locker werden brauchte, auch das entzieht sich meiner Kenntnis bzw. an dieses Detail erinnere ich mich nicht mehr. Aber an ihr stets bepudertes Gesicht mit diesem Make-Up, weil du genau ein Lineal nehmen konntest oberhalb der Bluse, wo du dann ihren käseweißen Hals sahst. Vom richtigen Schminken hatte sie null Ahnung. Stolz erzählte sie auch auf Nachfrage, wieviele Tigel pro Woche dafür drauf gingen. Es waren etliche. Sie ging quasi für ihre gute Schminke arbeiten, denn als gute Lehrerin, bei der ich was lernte, war sie weit entfernt. Oder lag es etwa an mir, daß Schule mir ab einem Punkt keine Freude mehr bereitete? Das hatte ich aber schon viel zeitiger festgestellt, denn etliche Fächer, wie Geschichte, Biologie oder Russisch langweilten mich ins Unermessliche. Anfangs war ich mehr als interessiert, wie die Menschen entstanden oder die Urmenschen lebten, aber als die ganzen Kriege als Thema dran waren, spielte ich mit meinem Nachbarn Karten oder Vier gewinnt! Er blieb dann sitzen und ich fing dann in der Zeit an, Bildchen zu malen oder übte kaligraphische Schriften. Nur für die Arbeiten lernte ich, um anschließend alles wieder zu vergessen. Chemie war einfach nur ätzend – dieses puff und pang. Und das Interesse an Bio verlor ich dann endlich in der achten, als das Thema die Fortpflanzung des Menschen behandelt wurde. Meine Schwester ärgert mich noch heute, das ich damals eine drei als Zensur bekam.

Und auch meine Antwort ist noch immer die selbe: deshalb habe ich ja auch drei Kinder.

Wobei die Note von damals nun ja rein gar nichts damit zu tun hat. Sie selbst hatte wohl eine Null, denn sie blieb kinderlos. Vielleicht ist es auch besser so, obwohl sie das Herz am rechten Fleck trägt und ebenfalls den Beruf der Lehrerin als erstes wählte. Ich traf vor vielen Jahren einige der Schüler und sie erzählten mir von ihren Künsten, den Unterricht zu gestalten. Mehr dazu lieber nicht! So ist es sicher besser, das keine Kinder, bzw. eigenes Kind bei ihr aufwuchs…

Nun komme ich aber auf diese Fahrt zurück. Am letzten Abend war Disko. Zwei oder drei der Jungs hatten eine Flasche Likör heimlich mitgebracht. Schon damals trunk ich dieses Zeug nicht, sondern nur mal eine Grüne Wiese oder eine Rumcola. Ein paar Mädchen ließen sich zu dem Fusel überreden und vertragen ihn wohl auch. Aus irgendeinem Grund ging ich auch zur Unterkunft zurück und wurde Zeugin dieses Gelage. Gern kippte ich die Gläser der anderen voll, um anschließend wieder zur Disko zurück zu kehren. Irgendwann nach Mitternacht war das Tanzen vorbei und alle stürmten das Hotel. Da fand ich am Ende des Flurs Ka. sitzend und lallend unter dieser großen Palme. Den Anblick kann ich einfach nicht vergessen. Zusammen mit zwei anderen versuchten wir sie ins Bett zu schleppen. Sie wollte unbedingt noch mal zum Waschbecken und dort blieb sie halbschräg stehen und fragte, warum das Zimmer so schief sei?! Irgendeiner petzte diese Sache am nächsten Tag an Frau A., die dann wissen wollte, wer denn Ka. so voll machte… Ich wurde nie erwischt und erfahren hat es auch keiner. Alle hielten dicht. Auch Ka. zählte zu den leisen ruhigen Mitmenschen. Leute, die aus dem Hintergrund agieren ohne dabei hinterhältig zu sein. Sie deshalb als Weicheier oder Memmen zu betiteln, kommt für mich an dieser Stelle auf keinen Fall in Frage, denn auch diese Leute haben ihren individuellen Charakter, der sie unverwechselbar macht…

Sie handeln bewusster als ihre Mitmenschen. Quasi sind sie etwas „schlauer“ als der Rest und haben nicht nur die üblichen fünf Sinne, sondern bis zu 12. Das Gesamtpaket erbt man autosomal-rezessiv von seinen Eltern. Es wandert quasi von Generation zu Generation. Grob geschätzt sind 10 bis 15 Prozent von ihnen unter uns, aber auch im Tierreich gibt es dieses Merkmal. Jene benehmen sich auch anders als der Rest, aber sie lieben die Ehrlichkeit und über deren Lippen kommen mitunter Gedanken, für die sie vom „Mainstream“ nicht so besonders gemocht werden. Viele Stars, wie Politiker, Künstler, Maler, Musiker, usw., oder aber vielleicht auch deine Nachbarin oder dein Freund sind davon betroffen.

Ihr habt wohl immer noch nicht die Lösung gefunden? Ja, das schaffen halt nur Leute mit einem höheren IQ, die früher in der Schule nicht so besonders gute Leistungen hatten. Zumindest nicht immer. Diese hat die Schule auch nicht wirklich interessiert. Einige Fächer schon, aber sie haben lieber Karten im Unterricht gespielt. Und sie waren immer Eigenbrödler. Alle liefen in die eine Richtung und sie in die andere. Sie mochten noch nie den Mainstream. Sie ecken oft an und werden teilweise gemobbt. Man sieht sie als Aussenseiter, aber irgendwann beweisen sie denen, die sie fallen sehen wollen, daß sie fliegen können… Und das ohne jemals ein dickes gut gefülltes Bankkonto gehabt zu haben. Denn nicht Geld allein macht glücklich. Na? Schon die Lösung gefunden? Er ist so oft sitzen geblieben, dass er da grad erst in der 3. Klasse war mit 18 Jahren! Schulisch gute Leistungen kann eh nicht jeder erbringen, denn in den Genen ist viel mehr verankert, als ihr euch vorstellen könnt!

Gene kommt von Genie, bloß mit dem Unterschied, das nicht jeder gute abbekommt. Bisher dachte ich auch, das ich als Nesthäkchen meiner Mutter sowieso den Rest nehmen musste, denn im Gegensatz zu meinen studierten Schwestern lebe ich ein einfaches Leben. Aber deshalb bin ich noch lange kein Würmchen, wie der nette Poster mich da oben bezeichnet hat.

Dieses Wortgefecht lieferte ich mich in einem Post, als jemand fragte, wie es sein kann, daß diese Person mit 18 gerade erst in der dritten Klasse ist und legal rauchen darf?!

Übrigens vergaß ich doch glatt meinem Namensgeber mitzuteilen, daß ich gerade in einem Kokon feststecke… Zeit auszufliegen, ist es allerdings noch nicht!

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